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Besser gePULLT als gePUSHED

Wer kennt das nicht - die Workload steigt, Kundenwünsche sollen erfüllt, Projekte abgeschlossen werden. Der Berg wächst und statt Entlastung folgt das nächste Arbeitspaket wie das Amen im Gebet. Es entsteht eine Bringpflicht der Führungskraft die auch als "Push-Prinzip" bezeichnet wird. Der Mitarbeiter bekommt immer mehr Arbeit egal ob die bereits vorhandenen Tasks abgearbeitet werden können oder nicht. Dabei stellt sich irgendwann die Frage, ob diese Art der Taskverteilung eine naturgegebenen, organisatorische Notwendigkeit ist oder ob es nicht auch anders möglich ginge?

Üblicherweise wird damit argumentiert, dass es die Aufgabe des Managements sei, die "Bälle in der Luft zu halten" sprich die Arbeit an die Mitarbeiter zu delegieren, damit diese ihre Arbeitszeit möglichst zu 100% produktiv nützen. Gerade bei Kopfarbeitern absolut kontraproduktiv! Der viel zitierten Eigenverantwortung und dem sog. Empowerment der Mitarbeiter wird dadurch ebenfalls ein Bärendienst erwiesen. Doch was tun?

Die Automobilbranche und mittlerweile auch viele andere, produzierenden Branchen zeigen uns seit Jahrzehnten, wie es auch anders geht. Das Zauberwort lautet "Pull-Prinzip". Die Mitarbeiter holen (!) sich dabei neue Tasks nur dann, wenn sie über ausreichend Ressourcen zur Abarbeitung der Aufgaben verfügen. Klingt sehr kompliziert ist es aber nicht, wie die Grafik verdeutlicht.



Angenommen ein Kunde bestellt in Salzburg einen neuen Sportwagen. Dieser Sportwagen verfügt über verschiedene Extras. Natürlich produziert der Hersteller dieses individuelle Auto nicht auf Verdacht, um es dann im Lager verstauben zu lassen. Das über die gesamte Wertschöpfungskette eingesetzte Pull-Prinzip sorgt dafür, dass der Wagen erst dann gefertigt wird, wenn es eine konkrete Bestellung des Kunden gibt. Dann laufen alle Prozesse los... und am Ende erhält der Kunde sein gewünschtes Auto, die Lagerkosten können niedrig gehalten werden und der Hersteller baut nur das, was tatsächlich verlangt wird und was ihm einen geschäftlichen Erfolg bringt. Es wird also immer vom Endkunden zum Hersteller gedacht und nicht umgekehrt.

Diese Strategie lässt sich je nach Anwendung beliebig in Prozessen verfeinern. Im Projektmanagement wird diese Art der Aufgabenorganisation vor allem in Scrum und besonders in Kanban angewendet. Bei beiden, agilen Methoden wird der gesamte Leistungsumfang eines Projekts auf kleine Arbeitspakete bzw. Tasks/Userstories aufgeteilt, die dann eigenständig von den Mitarbeitern (eine gewisse Priorisierung gibt es natürlich auch hier) abgearbeitet werden. Ich habe Pull- und Push-Strategie in der u.a. Tabelle einmal gegenübergestellt (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Push-Prinzip Pull-Prinzip
 Produktivität misst sich an der Auslastung Produktivität misst sich an Ergebnissen
bekannt neuartig
statisch dynamisch
herstellerorientiert kundenorientiert
sachorientiert mitarbeiterorientiert
automatische Weiterleitung an nächsten Prozessschritt nächster Prozessschritt erst bei freien Ressourcen
kennt keine Grenzen akzeptiert Grenzen
Engpässe oft versteckt Engpässe rasch sichtbar
Vorgesetzter - Mitarbeiter Mitarbeiter - Kunde
 Überlastung möglich Einhaltung definierter Limits
Führungskraft delegiert Arbeit Mitarbeiter holt sich Arbeit

 Das Pull-Prinzip erfordert in erster Linie Vertrauen. Ein Projektleiter bzw. eine Führungskraft muss sich darauf verlassen können, dass die Arbeit auch wirklich von den Mitarbeitern "abgeholt" wird. Umgekehrt muss sich das Management an die gemeinsam definierten Grenzen halten. Das erfordert vor allem Unterstützung und Bewusstsein durch das Top-Management.

Die größten Vorteile einer Pull-Strategie sind die Einbeziehung der Mitarbeiter, die effiziente Nutzung vorhandener Ressourcen (Menschen UND Maschinen), sowie die Möglichkeit rasch und flexibel auf geänderte Rahmenbedingungen reagieren zu können. Zusätzlich werde Mitarbeiter nicht unnötig überfordert. Es entsteht ein sich selbst steuerndes System, wenn die definierten Regeln auch wirklich regelmäßig einer kritischen Reflexion und ggf. Überarbeitung unterzogen werden, was zugegebenermaßen oft nicht einfach ist. Erst wenn auch der Gedanke des KVP wirklich in den Köpfen ist kann das Pull-Prinzip seine ganzen Vorteile ausspielen.

 

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