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Was haben militärische Spezialeinheiten, Fußballteams, antike römische Legionen, High Performance Teams und Frodos Gefährten in Herr der Ringe gemeinsam? Offensichtlich ist, dass es sich um höchst effektive und effiziente Gruppen von Menschen (bzw. Elben und Zwergen) handelt, die mit minimalem Aufwand ein maximales Ergebnis erreichen wollen und können. Gruppen, die ein (ge)wichtiges gemeinsames Ziel verfolgen und damit zu einem echten Team werden. Welche weiteren Eigenschaften existieren und wie das alles mit einer magischen Zahl und der richten Teamgröße zusammenhängt, ist Inhalt dieses Beitrages.

Eine/r für alle, alle für eine/n

Nimmt man dem FC Bayern München den Torwart weg, dann wird es schwierig, aber nicht unmöglich ein Match zu gewinnen. Verteidiger sind in der Lage Tore zu schießen oder einen Ball von der eigenen Torlinie zu köpfeln, Mittelfeldspieler grätschen auch mal, wenn es sein muss und selbst ein Christiano Ronaldo sprintet über das ganze Feld, um Europameister zu werden.

Frodo ist alles andere als ein Held und doch greift er mutig zur Waffe und kämpft, wenn er damit Sauron besiegen kann. Selbst der kritische Boromir übernimmt einfache Aufgaben, damit der Ring zerstört werden kann. Hier ist das Ziel existenziell und bekommt dadurch noch einmal eine wesentlich höhere Relevanz. Im Business brauchen wir das (hoffentlich) nur in den seltensten Fällen z.B. kurz vor einer möglichen Insolvenz.

Eine Entwicklerin übernimmt während der Urlaubszeit das Testen, weil der Kollege im Familienurlaub ist. UX-Experten schreiben gemeinsam mit anderen Stories vielleicht nicht in der Qualität der kranken Product Ownerin aber zumindest gibt es keinen Stillstand. Alles wird der Sache untergeordnet, um gemeinsam erfolgreich zu sein.

Dieses sich kompromisslos in den Dienst der Sache stellen und auch ungewohnte oder unbequeme Dinge zu erledigen, die eigentlich nicht in der eigenen Jobbeschreibung stehen, um das für alle relevante Ziel (wer will schon Sauron als Chef) zu erreichen, ist eine maßgebliche Eigenschaft erfolgreicher Teams! Diese gemeinsamen Ziele zu entwickeln und in aller Klarheit zu kommunizieren, ist unter anderem deine Aufgabe, wenn du Führungskraft bist.

Teamfoto von Fußballmannschaft

Purpose is King

Ziele sind das eine und wichtig – Sinn ist allerdings etwas ganz anderes. Sinn ist die Antwort auf die Frage, wieso wir uns das eigentlich alles antun und nicht stattdessen in der Kantine sitzen oder den Sommerurlaub im Auenland genießen. Stattdessen rackern wir uns ab und das soll bitte schon auch was bringen oder?

Wenn die Spezialeinheit, wenig sympathisch und vielleicht beängstigend, ein Haus in Pakistan stürmt, um dort den meistgesuchten Terroristen der Welt auszuschalten, dann gefährden sie ihr Leben nicht nur aufgrund von Befehlen, sondern auch weil sie einen Sinn in ihrem Tun sehen. Das muss man nicht mögen es ist in der Sache jedoch zwingend nötig, um erfolgreich zu sein.

Die römische Kultur zu verbreiten und nebenbei reich zu werden war ein maßgeblicher Zweck der durchaus zwiespältigen Eroberungszüge der alten Römer. Die Armee der Römer bestand lange Zeit aus Freiwilligen. Neben der Aussicht auf Einkommen war der Stolz auf die eigenen, zivilisatorischen Errungenschaften ein entscheidender Motivationsfaktor, um jahrelang die Familie zu verlassen und in fremden Ländern zu kämpfen. Die kleinste Einheit der Legion war dabei das sogénannte Contubernium. Eine Team an Legionären, die sich gegenseitig und ständig bei allem unterstützen und zusammenwohnten. Dabei musste jeder prinzipiell jede Aufgabe erfüllen können.

Sinn ist etwas sehr Subjektives. Er wird dann wirkmächtig, wenn er spürbar und unmittelbar für einen persönlich relevant wird. Die Erhöhung des Umsatzes mag ja richtig und wichtig sein. Für die Mitarbeitenden ist nicht unbedingt der Lebenssinn. Kinder hingegen geben den meisten Menschen einen Sinn im Leben und niemand fragt dann nach Prozessen oder SOPs. Es wird gemacht, was nötig ist und weil man davon überzeugt ist – auch gegen Widerstände.

Foto von Gehweg mit Spruch über Sinnhaftigkeit

Die Magische Zahl

Eine weitere vielleicht nicht ganz so offensichtliche Eigenschaft dieser Teams ist ihre Größe, respektive die Anzahl an Teammitgliedern. Es ist erstaunlich, dass eine römische Legion von über 8000 Menschen im Kern aus Teams mit jeweils acht Legionären inkl. noch einem Sklaven, Treiber und Maultier bestand- das Contubernium. Auch heute noch besteht ein „Trupp“ aus acht Soldaten.

Eine Fußballmannschaft hat üblicherweise 10+1 SpielerInnen. Militärische Spezialeinsatzkräfte, wie die Navy Seals oder das österreichische Jagdkommando bestehen selten aus mehr als sieben bis acht Soldaten. In der Gemeinschaft des Rings finden sich neun Mitglieder und Scrum Teams setzen sich aus drei bis neun Menschen zusammen, die über alle Fähigkeiten verfügen, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen und geniale Produkte zu entwickeln. Ganz ähnlich ist es bei umsetzungsstarken Projektteams. Diese sehr ähnliche und sich wiederholende Anzahl an Teammitgliedern ist kein Zufall!

Bereits im 17. Jahrhundert wurde entdeckt, dass sich die meisten Menschen nicht mehr als sieben Informationseinheiten merken und beherrschen können. Ausnahmen sind selten und außergewöhnlich. In der Mitte des 20. Jhd. fand der Psychologe George Miller mit wissenschaftlichen Mitteln heraus, dass sich Menschen offenbar 7 +/-2 Dinge im Kurzzeitgedächtnis merken bzw. überschauen können. Unter dem Begriff der „Millerschen Zahl“ wurde diese Entdeckung bekannt.

Dieser grundlegenden Tatsache ist geschuldet, dass Teams mit mehr als zehn Mitgliedern ineffektiv, kaum steuerbar und ineffizient werden. Vermutlich hast du selbst schon diese Erfahrung gemacht. In der Organisations- und Sozialwissenschaft spricht man von Führungsspanne. Ist diese größer, so muss sich die Organisation neu strukturieren.

Was passiert bei größeren Gruppen? Bei mehr als zehn Personen wird die gegenseitige Kommunikation extrem schwierig, Konflikte und Fehler entstehen aufgrund unterschiedlicher Wissensstände fast zwangsläufig. Die Anzahl der möglichen Kommunikationswege steigt nicht linear an – bei vier Teammitgliedern sind es sechs Wege, bei fünf Personen sind es bereits 10, bei neun bereits ganze 45 Kommunikationswege! Ein echtes „Wir-Gefühl“ wird sich kaum entwickeln. Die (geforderte) Bürokratie wird ansteigen und aufgrund der fehlenden, persönlichen Nähe werden starre Prozesse anstatt Pragmatismus entstehen.

Bild von optimaler Teamgröße

Fazit

Interdisziplinäre Zusammenarbeit, Sinn und vor allem die Teamgröße haben einen signifikanten Einfluss auf den Erfolg deiner oder deines Teams. Gerade die Anzahl der Teammember wird als maßgebliche Variable unterstützt. Viel hilft nicht, sondern schadet sogar. Die Teamgröße muss unter zehn Personen bleiben, um als Team schlagkräftig und wirksam zu sein. Für Teams dieser Größe ist es auch einfacher gemeinsame und sinnvolle Ziele zu entwickeln. Wenn du dabei Unterstützung brauchst oder einen Sparringspartner dann kontaktiere mich.

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