Vertrauen ist die Grundlage jeder produktiven Zusammenarbeit. Corona und die erzwungenen Home-Office Zeiten haben geschafft, woran Generationen von Coaches und NewWork Evangelisten gescheitert sind: Die nachhaltige Zertrümmerung eines obskuren und kaum mehr zu rechtfertigenden Anwesenheitskults in vielen Unternehmen. Die profane Ursache dafür, ist die schlichte Angst vieler Führungskräfte vor Kontroll- und Machtverlust. Wieso das viel weniger provokant ist, wie es im ersten Moment klingt beleuchtet dieser Blogbeitrag.

Wir nennen es Management 1.0 oder 2.0. Das heiß geliebte Führen mit Einzelzielen (auch bekannt als Teile & Herrsche), Command & Control, leistungsorientierte Entlohnung, Incentives, Taylorismus und letztlich die Opferung humaner Werte auf dem Altar der Effizienzoptimierung.

Mitarbeiter sollen ihre Arbeit brav im dafür vorgesehenen Bürogebäude verrichten (inkl. Feigenblatt-Kickertisch und hippen Snackautomaten). Homeoffice und Remotearbeit wurden, wenn überhaupt nur Auserwählten oder besonders wichtigen Mitarbeitern erlaubt und maximal geduldet. Unausgesprochene Hypothese und Konsens: Nur mittels physischer Kontrolle (also im Büro) würden Menschen auch wirklich arbeiten respektive könnte man die Narretei halbwegs in geordnete Bahnen managen. Selbstverständlich gibt es Ausnahmen.

Der Lockdown in Europa hat diese gedankliche Fehlkonstruktion nun endgültig eingerissen. Etliche Kunden und Kollegen berichten von deutlich mehr und besseren Ergebnissen im Homeoffice mit zufriedeneren Menschen – ganz ohne ständige Beobachtung und täglicher Kontrolle. Ja viele wollen gar nicht mehr zurück in das Großraumbüro mit Grippegarantie und babylonischen Stimmengewirr. Und wer bitte steuert oder führt diese Menschen dann in ihren Wohnzimmern?

Offenbar sind wir Menschen doch in der Lage ganz ohne Paternalismus und Stechuhr sinn- und wertvolle Beiträge zu leisten – obwohl wir die Kaffeeküche vielleicht vermissen. Die für komplexe Herausforderungen notwendige Selbstorganisation in Unternehmen ist eine Funktion von Vertrauen oder einfacher gesagt: Wer vertraut bekommt das üblicherweise doppelt zurück und genau das ist es, woran viele Führungskräfte aktuell und in nächster Zeit scheitern. Diese Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden. Wer jetzt Manager-Bashing erwartet wird enttäuscht.

Mitverantwortlich an dieser Misere sind auch jene Untergebenen, die diese Form der scheinbaren Führungslosigkeit aus egoistischen Gründen nicht wollen (und sie dann tlw. missbrauchen), damit überfordert sind oder über Jahre zu Befehlsempfängern konditioniert wurden. Die Mehrheit aber atmet auf und genießt das Vertrauen fernab von definierten Büroräumen, welches die Grundlage für konzentriertes, selbstbestimmtes, kreatives und erwachsenes Arbeiten ist.

Dieses Vertrauen muss nicht verdient werden. Vertrauen verschenkt man. Es ist die Basis jeder menschlichen Zusammenarbeit und konstruktiven Dialogs. Führungskräfte, die ihren Mitarbeitern per se misstrauen, mögen einen genauen Blick in den Spiegel werfen. Die Erkenntnis könnt lebensverändernd sein.

Diejenigen Führungskräfte oder Unternehmen, die Menschen und Teams Perspektive, gemeinsame und sinnvolle Ziele, die benötigen WerkzeugeArbeitsumgebungen und letztlich das Vertrauen entgegenbringen werden am Ende erfolgreicher sein! Der Ort der Leistungserbringung ist dann irrelevant und am Ende zählen nur die gemeinsamen Ergebnisse. Und ab zu kann man ja dann auch am Kicker vorbei schauen – wenn man möchte.

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