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Deutschland ist Weltmeister im Fußball! Wie ich meine verdient und zum richtigen Zeitpunkt. Zoomt man etwas heraus, dann lassen sich beim neuen Weltmeister viele Eigenschaften, Methoden und Prozesse moderner Projektmanagementansätze finden. Der Weltmeistertitel ist genauso wenig zufällig, wie es erfolgreiche Projekte sind. Was zeichnete diese Mannschaft nun aus und was können wir daraus für unsere Projekte, für unser Projektmanagement lernen?

Das Projekt „Weltmeister“ beginnt bereits vor über 10 Jahren. Deutschland verliert mit Rumpelfußball das Finale in Südkorea. Diese „Schmerzen“ sitzen tief. Man könnte es eine Intervention nennen, denn dieses Ereignis schafft die Basis für den Wandel im DFB. Eine innovative Vision wird gemeinsam von allen beteiligten Organisationen und Menschen – der Liga, dem DFB, dem Nachwuchskadern etc. – entwickelt und vor allem auch gemeinsam getragen. Man könnte sagen, die Basis des Erfolgs war das Commitment der Beteiligten.

Das Hauptziel wurde klar definiert: Man wollte wieder ganz oben stehen, Weltmeister sein. Als Nebenziel sollte der deutsche Fußball moderner, schneller und ballorientierter werden. Eindeutige, klare und messbare Ziele, die kommunizierbar und auch für Laien verständlich sind. Man wollte weg von der langsamen, körperbetonten und von einzelnen Spielern abhängigen Spielweise – das waren die Nicht-ZieleTerminlich war klar, dass ein solches Vorhaben mind. eine neue Fußballergeneration dauern würde.

Die Auswahl des Teams folgte der gleichen Logik. Alles wurde der Zielerreichung untergeordnet. Mit Klinsmann/Löw holte man sich frische Trainer mit modernen Ideen. Das Fußballteam wurde verjüngt. Die Hierarchie im Team wurde entfernt – es gab keine Chefs mehr, wie das früher Kahn, Matthäus, Beckenbauer etc. waren.
Das Team wurde der Star und kommunizierte mit dem Trainer auf Augenhöhe.

Mehrere Rückschläge und Veränderungen (Changes) wurden gemeinsam durchgestanden. Man blieb den (Projekt)Zielen treu. Sogar Weltklassespieler wurden aussortiert, weil die hohe Komplexität eines solchen Vorhabens keine Egotrips zuließ. Die Kommunikation mit der Außenwelt bzw. den Stakeholdern wurde massiv ausgeweitet – man erinnert sich an das Sommermärchen 2006. Das Projekt „Weltmeister“ wurde also auch tief in den Köpfen der Bevölkerung verankert. Das Team wurde zum Sympathieträger. Durch diese Kampagnen konnten auch die BL-Trainer Anpassungen vornehmen und neue Methoden etablieren. Das zu Beginn belächelte Training mit Gummibändern ist mittlerweile Standard in allen Clubs.

Die ersten Fortschritte (EM2008, WM2010, EM2012) waren deutlich erkennbar und man sah sich am richtigen Weg. Immer wieder wurde nach dem Erreichen von Meilensteinen (=Turnieren) der Status quo mit den angestrebten Ziele verglichen und wenn notwendig wurden Anpassungen durchgeführt. Auch wenn das ganz große Ziel noch nicht erreicht werden konnte, so wurden die Hauptziele, das Team und die Methoden beibehalten und weiterentwickelt. Man glaubte an die eigenen Stärken.

Vor der letzten WM galt Deutschland aufgrund seines modernen, erfrischenden und technisch perfekten Fußballs als Favorit. Man überließ nichts dem Zufall. Sogar ein eigenes Hotel wurde in Brasilien gebaut. Neue Spieler wurden nur dann eingebaut, wenn sie sich bewährt hatten. Die Ziele waren klar kommuniziert, der Zeitraum benannt, die Gegner und damit Risiken detailliert analysiert und das Team von den eigenen Fähigkeiten überzeugt. Das Team war bereit für den letzten Schritt.

Das Ergebnis dieser perfekten Vorbereitung ist der vierte WM-Titel. Als Projekt betrachtet wurden alle Ziele erreicht, der Zeitplan eingehalten und der Leistungsumfang erfüllt. Das Team löst sich nun temporär nach Abschluss der Feierlichkeiten auf. Das nächste Projekt steht bereits vor der Tür und heißt Europameister 2016. Man wird die Lehren aus Brasilien ziehen (trotz Erreichung aller Ziele) und lässt das erfolgreiche Team zusammen. Damit sind schon die ersten Mosaiksteine für die kommenden (Projekt)Erfolge gelegt.

Zusammengefasste Projekt- und Projektmanagement-Erfolgsfaktoren (nicht nur für WM-Titel):

  • Gründe um Dinge zu ändern – Business Case, Changes, Marktveränderungen
  • Eine Zukunftsvision und das Commitment zur Veränderung aller Beteiligten und Betroffenen
  • Klare, eindeutige, messbare und kommunizierbare Ziele
  • Auswahl des Teams ausschließlich auf Basis der Projektziele
  • Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen auch bei Rückschlägen
  • Transparente Kommunikation und Einbeziehung der Stakeholder
  • Laufende Messung u. Controlling der Fortschritte
  • Perfekte Vorbereitung auf Meilensteine
  • Glaube an die eigenen Stärken und Einsatz dieser Stärken
  • Analyse und Behandlung von Risiken
  • Feiern der Erfolge und Lernen aus Erfahrungen für künftige Aufgaben

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